Typografie für Leseanfänger

by Jakob Fricke written on November 07, 2010

Das erste Kinderbuch aus dem Verlag Viktor und Pettl – Anna Dreyers Was ich alles kann… – zielt im Speziellen auf Leseanfänger und Kinder mit Leseschwierigkeiten ab.

Im Vorfeld haben wir uns daher intensiver mit der Frage auseinandergesetzt, wie eine adäquate typografische Gestaltung aussehen muss, um Leseanfängern das Lesenlernen zu erleichtern.

Glücklicherweise hat der schwedische Typograf Stefan Hattenbach 2000 die Schrift Montessori Script veröffentlicht, die in wesentlichen Punkten unseren Bedürfnisse entspricht:

Die Ausformung der Buchstaben sollte der Form ähneln, die die Kinder auch in der Schule lernen. Vor allem das doppelstöckige kleine A sollte vermieden werden.

doppelstoeckig

Optisch gleich oder ähnlich aussehende Buchstaben, wie beispielsweise ein kleines L und ein großes I sollten nicht vorkommen.

i-l

Die Buchstaben d, b, p, q, sind oft in serifenlosen Schriften symmetrisch. Sie sind also nur nach der Ortung (links, rechts, oben, unten) unterscheidbar, was für Kinder zur Verunsicherung beim Lesen führen kann. Wir benötigen hier eine eindeutige Unterscheidung der einzelnen Lettern.

symmetrie

Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass es mit erhöhter Schriftgröße nicht getan ist, ja dass eine größere Punktzahl sogar kontraproduktiv wirken kann. Wesentliches Kriterium ist hier vielmehr, dass das Bild bequem ins Blickfeld passt, damit das Kind es auf einen Schlag gut wahrnehmen kann. Dazu gehört auch, dass auf lange und komplexe Wörter verzichtet wird.

Was ich alles kann… charakterisiert als typografisches Merkmal die optische Trennung der Silben durch einen mittigen Punkt. Das Erlesen von langen Wörtern ist eine wichtige Hürde im Prozess des Lesenlernens. Solange das Wort nicht erlesen und seine Bedeutung nicht erschlossen ist, gelingt in dieser Phase der Leseentwicklung meist die eigenständige Gliederung in Silben nicht. Die hier vorgenommene optische Gliederung hilft die Silbenelemente zu erkennen, unterstützt so den Lesevorgang und übt gleichzeitig das selbstständige Gliedern von langen Wörtern.

silbentrennung

Für alle, die sich mit der Thematik intensiver auseinandersetzen wollen, sei der Abdruck von Gerrit Noordzijs Vortrag vor der Typographischen Gesellschaft München empfohlen (PDF).